Pioniere der Gastfreundschaft

Rolf Seelige-Steinhoff
Rolf Seelige-Steinhoff

Rolf Seelige-Steinhoff
Rolf Seelige-Steinhoff

Familie Kross
Familie Kross

Weite Strände und unberührte Wälder, ehrwürdige Hansestädte und geschichtsträchtige Gutshäuser. Im Wettbewerb um Urlaubsgäste kann Mecklenburg-Vorpommern mit einmaligen Angeboten punkten. ['em vau] stellt vor: Menschen, die Chancen zu nutzen wissen. So wie die Familien von Rolf Seelige-Steinhoff und Axel Kross.

Ahlbeck _ Die Einrichtung des neuen Restaurants sollte nicht originalgetreu sein, sondern original. Also schickte Burghardt Seelige-Steinhoff seinen Sohn Rolf auf Entdeckungstour durch Thailand. Der brachte den Buddha in seiner vergoldeten Säule mit, das reich verzierte geschwungene Tempeldach aus edlem Teakholz und die anderen 6.000 Teile, die nun das „Suan Thai“ an der Ahlbecker Strandpromenade schmücken. Ein Hang zum Authentischen und eine gewisse spielerische Ader animieren Rolf Seelige-Steinhoff zu solchen Feinheiten. „Außerdem arbeite ich gern“, gibt er mit einem offenen Lächeln zu. Seit 1992 hat seine Familie auf Usedom die „Seetel“-Hotelgruppe aufgebaut. 15 Häuser, 2.000 Betten, 450 Angestellte. Vom Fünf-Sterne-Flaggschiff „Ahlbecker Hof“, wo seit 1890 manch gekröntes Haupt logierte, bis zur Familien-Ferienanlage in Trassenheide. Mit detailgetreu sanierten Fassaden ließ Seelige-Steinhoff den Charme der Bäderarchitektur auferstehen. Rolfs Mutter Jeanne kümmert sich ums Personal, seine Frau Bettina um die Buchhaltung. Er selbst präsentiert seit dem Tod des Vaters Anfang 2010 die Geschäfte des Familienunternehmens allein.

Die Vision kam vom Senior
Den Fall der Mauer sah Seelige-Steinhoff im Fernsehen, als er in Aachen Elektrotechnik und BWL studierte. „Für mich spielte das auf einem anderen Planeten“, räumt er ein. „Der Senior“ jedoch, wie Rolf Seelige-Steinhoff seinen Vater respektvoll nennt, „hatte eine Vision“. Er war Spross einer westfälischen Unternehmerfamilie, hatte Anteile an einem spanischen Hotel und gute Kontakte zu einem Reisekonzern. Konsequenz: Die Familie beteiligte sich 1991 an einem Hotel auf Rügen. „Es gab kein Telefon, die Toiletten waren jenseits des Ganges, die Wände brauchten neue Farbe“, erinnert sich Rolf Seelige-Steinhoff an die Pionierzeiten. Trotzdem öffnete das Haus wenige Monate später, weil die Angestellten mit anpackten. „Phänomenal, was unsere Mitarbeiter geleistet haben“, schwärmt der Hotelchef. 1992 übernahm die Familie das „Ostseehotel“ in Ahlbeck und den „Pommerschen Hof“ in Heringsdorf. Wieder öffneten die Herbergen nach wenigen Wochen, lockten Gäste an und sicherten Jobs.

Zukunftsland MV!
„In den letzten 20 Jahren ist Usedom eine moderne Urlaubsinsel geworden“, berichtet Rolf Seelige-Steinhoff. Gute Infrastruktur, herausgeputzte Promenaden, Fahrradverleih, Spielplätze, pfiffige Boutiquen. „Die edle Patisserie und unser „Suan Thai“ konnte sich vor zehn Jahren kaum jemand vorstellen.“ Jetzt sind sie selbstverständlich. Trotz aller Visionen rechnet sich der Unternehmer nüchtern seine Chancen aus. Für neue Projekte auf Usedom stehen sie gut, glaubt er. Weil das Klima mild und relativ trocken ist. Weil immer mehr Deutsche in Deutschland Ferien machen. Weil sie sich hier sicherer fühlen als in Marokko. Weil im Sommer die Familie aus Bayern und im Herbst die Berliner Senioren samt Enkeln an die See wollen. „Weil sich hier eine wundervolle Natur mit toller Architektur und interessanter Geschichte verbindet.“

Deutsch-Schwedische Familienbande
Auch Axel Kross spürt, dass sich der Wind in Mecklenburg-Vorpommern gedreht hat: „Bis 1990 wurden die Reisewege um uns herum gelenkt“, so der Hotelier. „Inzwischen haben die Schweden, die Holländer und die Österreicher aber bemerkt, dass es uns gibt.“ Und die Italiener kommen zum Radfahren, weil es ihnen in der Toskana zu heiß ist. Kross und seine aus Schweden stammende Frau Marie Kross-Jonsson betreiben die Hotels „Friedrich-Franz-Palais“ und „Prinzenpalais“ in Bad Doberan. Auch ein Familien-Unternehmen. Während die Schmalspurbahn „Molli“ sich draußen dampfend auf den Weg an die Ostseeküste macht, stürmen Carl Ludvig (9) und Carl August (6) durch die Hoteltür herein. Ihre Mutter Marie hat sie aus dem Schulhort abgeholt. „Die Kinderbetreuung ist gut und bezahlbar“, sagt sie. Deshalb kann sie sich mit Ruhe und schwedischer Herzlichkeit beim Frühstück um die Gäste kümmern. Axel Kross, der gelernte Koch, ist nebenan in Warnemünde groß geworden. In Lüneburg hat er Kulturwissenschaften studiert, an Hotelbars gejobbt. Bei einer Hotelgruppe in Baden-Württemberg saß er im Management. Aber längst wollte er dorthin zurück, wo der Wind über die Wellen streicht. Er braucht das Rauschen der Ostsee im Ohr. Dafür hat er eine gut bezahlte Festanstellung aufgegeben und seine Chance zu Hause in Mecklenburg-Vorpommern gesucht.

Prominente Geschichten
Gern schlüpft Axel Kross in die Rolle des Gastgebers. Abends hinter der Bar erzählt er Geschichten von seinem Mecklenburg. Oder von Hollands Königin Beatrix, die im Friedrich-Franz-Palais übernachtete, als ihr Gemahl Claus von Amsberg im Gymnasium nebenan Klassentreffen feierte. Kross erzählt aber nur, wenn seine Gäste ihn fragen. Schließlich ist er zurückhaltend. Eben ein authentischer Mecklenburger.

Andreas Frost

Nachgefragt bei Karl J. Pojer, Bereichsvorstand TUI Hotels & Resorts der TUI AG – lesen Sie hier das vollständige Interview.

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