MV wirkt
Beipackzettel für die unbedenkliche Einnahme von Mecklenburg-Vorpommern
Mecklenburg-Vorpommern können Sie ohne Bedenken einnehmen – da brauchen Sie weder Ihren Arzt noch Ihren Apotheker zu fragen. Es hat heilsame Wirkung. Wenn Sie Ihrem Leib noch mehr Gutes tun wollen, damit – wie es Winston Churchill einmal gesagt hat – „die Seele Lust hat, darin zu wohnen“, setzen Sie sich bei uns an den gedeckten Tisch. Anders als die Müllerstochter aus dem Märchen „Rumpelstilzchen“ flunkern die Köche in Mecklenburg-Vorpommern nicht. Sie zaubern tatsächlich aus heimischen Produkten die edelsten Kostbarkeiten. Aus genau diesem Grund leuchten schon seit längerer Zeit Sterne des Michelin am gastronomischen Himmel des Landes. Doch heißhungrig wird sowieso jeder, der nach MV kommt: Die Luft wirkt appetitanregend wie ein Sherry.
Glauben Sie mir, es gibt auf der ganzen weiten Welt keinen besseren Masseur als den Wind an der Ostsee. Er macht nicht nur die Wangen, sondern auch die Laune rosig. Rufen Sie mich bitte sofort an, wenn Sie ein Körperpeeling kennen, das die Haut ebenso samt-weich macht, wie unser Ostseesand – nachdem er sich aus dem Haar und von den Füßen auf dem Laken verteilt hat… Sie werden es nicht für möglich halten, was Rügener Heilkreide bewirken kann. Im Vertrauen verrate ich Ihnen, was mir passierte, als sich mein Mann bei einem Urlaub in Sassnitz damit behandeln ließ. Ich fühlte mich wie Simone Thomalla, denn ich hatte des Nachts, ohne Austausch, einen Jahrzehnte jüngeren Mann an meiner Seite. Ja, Sie dürfen mich ruhig beneiden. Auch um die Nähe, die ich zur Ostsee habe. Ich bin nur 50 Minuten Autofahrt von ihr entfernt. Für die Bayern ist das schon so dicht dran wie der Schnauzbart unter der Nase.
Und was meinen Sie, was Sie alles entdecken, wenn Sie nicht nur Ihre Augen, sondern auch Ihre Ohren aufsperren? Hier in Mecklenburg-Vorpommern werden Worte noch bedächtig gewählt. Meine Großmutter war eine Meisterschützin: Mit einem Wort traf sie immer genau ins Schwarze. Fragte man sie nach dem Bürgermeister, war ihre Antwort: „Klaukschieter“– dieses Wort sagte alles über den Mann. Das gebräuchlichste Schimpfwort der deutschen Sprache rutscht mir übrigens zum Glück für alle, die mich fluchend erleben, noch immer plattdeutsch heraus.
Das Land hat mich geprägt. Es ist von einer beneidenswert unvergänglichen Schönheit. „Wenn man eine Viertelstunde über Land geht“, schrieb Barlach 1908 begeistert nach Hamburg, „sieht man in allen Tälern lauter Seen liegen.“ Das können Sie noch heute so erleben. Aber beachten Sie bitte: Absolutes Wohlbefinden stellt sich erst nach wiederholter und regelmäßiger Einnahme von Mecklenburg-Vorpommern ein – dafür aber garantiert rezeptfrei!
Die Autorin Dr. Ditte Clemens
„Literarische Botschafterin des Landes“ – genau das ist sie, wenn sie bei Lesungen Biographien, Erzählungen, Kolumnen oder
Kinderreiseführer vorstellt. Ihre Kurzvita: 1952 auf Rügen geboren, Schulzeit in Rostock, Mathematik-Physik-Studium an der
Pädagogischen Hochschule in Güstrow, 1978 Promotion zum Dr. paed., anschließend 16 Jahre Lehrtätigkeit im Fach Mathematik
an der Güstrower Hochschule. Nach der Schließung der Hochschule seit 1993 freischaffend als Schriftstellerin und Journalistin tätig.



